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Konstituierende Sitzung des Arbeitskreises am 06.05.2019

mit (von links nach rechts): Dr. Horst Sebastian, Dr. Reinhardt Schink, Hartmut Steeb, Eberhard Jung, Johannes Neudeck, Christiane Wutschke, Dr. Martin Knispel, Burkhard Zimmermann, Dr. Ingo Friedrich, Prof. Dr. Wolfgang Stock (nicht auf dem Bild: Prof. Dr. Johannes Reimer, Stephan Volke)

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Gemeinde als Mediation Zentrum (GMZ)

Ein Dienst des Peace & Reconciliation Networks der WEA

Das Peace & Reconciliation Network (PRN) ist ein Netzwerk für Frieden und Versöhnung innerhalb der Evangelischen Allianz. Das Netzwerk unterhält in der Deutschen Evangelischen Allianz einen entsprechenden Arbeitskreis. PRN weiß sich gerufen, christliche Ortsgemeinden und Werke in ihrem Bemühen „Botschafter der Versöhnung“ zu sein, vielfältig zu unterstützen. Das hier vorgestellte GMZ ist eines dieser Angebote.

Den Auftrag ernst nehmen

Frieden und Versöhnung gehören zum missionarischen Auftrag der Gemeinde Jesu. Apostel Paulus beschrieb den Missionsauftrag an die Gemeinde in Korinth mit den Worten aus dem 2. Kor. 5,17-21. Hier heißt es:

Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. Aber das alles ist von Gott, der uns mit sich selber versöhnt hat durch Christus und uns das Amt gegeben, das die Versöhnung predigt. Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit ihm selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott! Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, auf dass wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

Der Gemeinde hat das Wort von der Versöhnung anvertraut bekommen. Sie ist Gottes Mediationsstimme in der Welt. Wo immer Menschen Versöhnung mit sich selbst, ihren Mitmenschen, mit der Gesellschaft, der Schöpfung und vor allem mit Gott suchen – in der Gemeinde sollten sie den Ort, an dem Versöhnung gelebt, gelehrt und praktisch angeboten wird, finden. Leider ist das eher selten der Fall. PRN will mit dem GMZ Angebot den Christen helfen, ihrem Auftrag gerecht zu werden.

Das Profil der GMZ

Was schlagen wir vor? Gemeinde als Mediationszentrum (GMZ) zeichnet sich durch bestimmte Charakteristika aus. Sie lebt (a) als versöhnte Gemeinschaft von Menschen, die sowohl mit Gott, sich selbst als auch mit ihren Mitmenschen Frieden geschlossen haben. In ihr wird prinzipiell eine Kultur des Friedens gefördert. Konflikte werden benannt, gelöst und in transformative Kraft umgewandelt. Weil sie auf Wachstum angelegt ist, ist sie nie perfekt, immer am werden. Die ersten Christen wurden nicht zuletzt deshalb „Leute des Weges“ genannt. Eine Gemeinde auf dem Weg zum erklärten Ziel, Gottes Schalom, seinen Frieden in der Welt zu leben.

Sie ist (b) als Ekklesia Gottes, herausgerufen aus der Welt um Verantwortung für die Welt zu übernehmen, und somit zunächst und vor allem für die Menschen vor Ort da. Der Sinn ihrer Existenz besteht darin, Licht der Welt und Salz der Erde zu sein (Mt. 5,13-15). Es kann ihr nie egal sein, wie die Menschen um sie herum leben. Unfriede in der Gesellschaft, Unversöhnlichkeiten und Konflikte unter ihren Nachbarn – das sind ihre Themen und ihr Auftrag. Deshalb ist sie im Dienst der Versöhnung aktiv. Und es ist nicht ein Dienst unter anderen, sondern das Herzstück all dessen, was sie ist und tut.

Als gesandte, missionale Gemeinschaft ist die GMZ (c) darauf bedacht ihre Mitarbeiter für den Dienst der Versöhnung zu zurüsten. Hierfür hat Gott der Gemeinde den fünffältigen Dienst gegeben. Apostel Paulus schreibt: „Gott hat in seine Gemeinde gesetzt zuerst Apostel, dann Propheten, dann Evangelisten, dann Hirten und Lehrer … um die Heiligen zuzurüsten zum Werk ihres Dienstes.“ Sie sollen die vielfältigen Gaben der Christen identifizieren und die Gabenträger zum praktischen Dienst anleiten (Eph. 4,11-12). So können die Gläubigen selbst wachsen und ihren Dienst in der Welt wahrnehmen zu dem sie berufen worden sind (Eph. 4,13-16). Und dieser Dienst steht immer im Kontext der Versöhnung.

Dabei geht es, erstens, um apostolisch-strategische Bildung in der Gottes Anliegen für die Welt und die Menschen im Gemeinwesen deutlich gemacht werden. Zweitens, um prophetische Einsicht in die Ursachen der Unversöhnlichkeit im Gemeinwesen. Was macht die Menschen bitter, was fördert der Streit, intensiviert Konflikte? Welche konkreten Kräfte sind im Einsatz? Drittens geht es das Angebot der Versöhnung selbst, um die Weitergabe des Evangeliums, um umfassende Evangelisation, die durch Vorbild und Leben, Taten und praktischen Einsatz und verbale Verkündigung passiert. Viertens werden in der Gemeinde Mitarbeiter geschult, die die Menschen seelsorgerlich-pastoral betreuen können und die Unversöhnten durch Prozesse der Versöhnung geleiten können. Und schließlich wird eine Gemeinde Versöhnungs- und Friedenskultur lehren. Eine GMZ Gemeinde wird ihre Mitglieder schulen, damit sie tun, wozu sie berufen wurden.

Die GMZ bietet dem Gemeinwesen, in dem sie existiert, Versöhnungsdienste an. Das werden persönliche Betreuung des Einzelnen auf der Suche nach einer gesunden Identität, Ehe- und Familienseelsorge und Therapie, Angebote für gesellschaftliche Institute und die Industrie und mehr sein. Die Situation vor Ort und das Potenzial der Gemeinde werden die Projekte bestimmen.

Wie wird eine GMZ?

Der Prozess der Gestaltung einer GMZ sieht folgende fünf Stufen voraus: (a) Verortung der Gemeinde, (b) Potenzialanalyse in der Gemeinde, (c) Kontextanalyse vor Ort, (d) Visionsfindung, (e) Projektplanung, (f) Aktion, (g) Evaluation.

In der Phase der Verortung steckt die Gemeinde das Gemeinwesen, den sozialen Raum ab zu dem sie sich von Gott berufen wurde. GMZ ist immer eine Ortsaktion, eine im besten Sinn des Wortes Gemeinwesen-Mediation (GWM). Und die GWM kann es nur im Rahmen eines konkreten Gemeinwesens geben.

GMZ soll und will ein Angebot konkreter Gemeinde sein. Und deshalb sollte die Gemeinde, die sich als GMZ aufstellen möchte, ihr Potenzial kennen. Über welche Gaben, Fähigkeiten und Kompetenzen verfügt die Gemeinde? Was kann sie im Dienst der Versöhnung aus eigener Kraft einsetzen? Die Potenzialanalyse markiert den zweiten Schritt auf dem Weg zum GMZ.

Und drittens geht es um eine detaillierte Kontextanalyse. Erst wenn man den Bedarf vor Ort kennt, kann man auch adäquate Angebote formulieren, die den Bedarf decken. Wer Kranken helfen will, muss sie suchen, finden und feststellen, woran sie kranken.

Erst jetzt, wo die Gemeinde ihr Gemeinwesen, ihr Potenzial und den Bedarf an Versöhnung am Ort kennt, kann eine konkrete Vision und damit auch Konzept für GMZ formuliert werden. Denn nur wenn die Ortbevölkerung im Konzept die eigene Lage wiedererkennt, wird sie letztlich das Angebot auch wahrnehmen. Und aus der Vision wachsen dann Ideen und Projekte, die in konkreten Diensten des entstandenen GMZ münden.

Es empfiehlt sich, schließlich, immer in regelmäßigen Abständen den Erfolg der Arbeit der Gemeinde zu evaluieren und hierzu auch Stimmen aus dem Gemeinwesen, dem man ja dienen will, heranziehen.

PRN fördert die lokalen GMZ

Das Netzwerk für Frieden und Versöhnung der Evangelischen Allianz fördert die Entwicklung von lokalen GMZentren und bringt sie in einem Netzwerk zusammen. Angeboten werden Seminare und Tools zur Gründung des Zentrums, Schulungen und Schulungsmaterial für Mitarbeiter sowohl in strategischer Entwicklung, analytisch-prophetischer Einordnung, evangelistischer und pastoral-therapeutischer Arbeit und theologischer Fundierung der Mission eines Zentrums. Jede Kirche, Gemeinde und Werk hat uneingeschränkten Zugang zum Netzwerk, ob sie sich dabei mit anderen Gemeinden und Werken vernetzen will, oder nicht.

Unsere Mitarbeiter kommen gerne zu Ihnen, stellen die Idee und die Konzeption des GMZ vor und betreuen auf Wunsch sowohl die Entwicklung als auch das Tagwerk ihres lokalen GMZ. Mitgliedschaft im PRN garantiert außerdem der lokalen Arbeit wertvollen Praxisaustausch, Begleitung und finanziellen Nachlass bei Schulungsangeboten.

Jedes christliche Werk: Gemeinde, Missionsgesellschaft, Schule kann Mitglied von PRN werden. PRN erhebt eine Mitgliedsgebühr von 20-500,- Euro pro Monat, je nach Größe ihres Instituts, die sich schnell durch die Angebote des Netzwerkes lohnen.

Machen Sie mit

Haben sie als Gemeinde oder Werk Interesse ein Mediations-Zentrum zu werden? Gerne helfen wir ihnen. Melden Sie ihr Interesse bei uns. Wir kommen gerne. Fangen sie an mit einem Impuls-Wochenende, an dem wir Ihnen die Idee und Konzeption der GMZ vorstellen.

Lassen sie uns wissen in welcher Phase der Entwicklung sie sind. Wir gehen gerne mit ihnen durch die einzelnen Schritte unseres missionalen Zyklus und bringen Ihnen entsprechenden Tools mit, mit denen ihr Team weiterarbeiten kann.

Und wenn sie bereits ein eine aktive GWM betreiben, unterstützen wir sie mit Weiterbildung in den Bereichen versöhnender Evangelisation, interkultureller Seelsorger, Heilung der Erinnerungen, Vertrauens-Aufbau und vielem mehr.

Schreiben sie uns an! Betreff: Peace & Reconciliation Network Foundation; E-Mail info@ead.de